fühlen ● verstehen

Heike mit Henry

Mit Pferden gehe ich um seit etwa meinem 11. Lebensjahr. Zu der Zeit ritt ich noch auf Shetlandponys, was ein wunderschöner Einstieg war. All die Kleinmädchenträume, die man im Fernseher von den Immenhof Mädels kennt, konnte ich mir so mehr oder weniger erfüllen. Allerdings: Reiten konnte ich nicht. Ich konnte mich zwar sehr gut in jeglichen Gangarten auf den Ponys halten (einschließlich der vielgenutzen Buckel-und-renn-weg-Grundgangart dieser  Shettys), aber aus heutiger Sicht betrachtet: Reiten ist was anderes.  

Über die Jahre kam ich dann auch an größere Ponys und Pferde und natürlich an Reitstunden, nach traditioneller Englischer Art. Mein erstes Pferd kaufte ich mir mit 21. Als ambitionierter Freizeitreiter ohne Turnierambition hatte ich zwar stets das Interesse, die Pferde „schön“ zu reiten… Nur leider führte da bis dato irgendwie kein Weg dahin.  

Mein erstes Aha-Erlebnis hatte ich mit etwa 25 Jahren, auf meinem ersten Branderup-Kurs. Der Wille, in diese Richtung des Reitens und der Kommunikation zu gehen war da, keine Frage! Ich kannte Bent Branderup zu dem Zeitpunkt aus diversen Pferdezeitschriften und aus Büchern.  Alleine  durch die Vorstellungskraft, hatte sich mir bis dato nicht erschlossen was diese Art von Umgang mit dem Pferd wirklich bedeutet, auch, weil ich nicht gerade der geborene Autodidakt bin. So wurde der Kurs, den ich naiver Weise auch noch gleich mit eigenem Pferd besuchte, für mich ein einziges peinliches Fiasko und, wie ich annehme, für die anderen Teilnehmer das Vorzeigebeispiel von „und so macht man es  NICHT“.  

Unglaublich demotiviert und frustriert kam ich wieder nach Hause. Es musste sich was ändern. Den konventionellen Unterricht, den ich zu der Zeit noch hin und wieder hatte, ließ ich sausen. Das war nicht das, was ich wollte. Und gebracht hatte er mir eh nichts. Aber wie konnte ich das erreichen, was ich so gerne erreichen will?  

Die Suche stagnierte eine gute Weile, in der ich mehr und mehr in die Literatur dieser Art des Reitens einstieg. Langsam offenbarten sich ein paar Lichtblicke, kleinere Ahas kamen, aber richtig vorwärts ging es nicht. Es sollten noch weitere Jahre vergehen, bis ich über eine Freundin von mir etwas von Ulli hörte. Ich war sofort interessiert, mir mal eine Stunde anzusehen. Nicht nur das: am Ende der Stunde durfte ich sogar selbst mal für etwa gute 5 Minuten auf das Pferd aufsitzen, das bei Ulli die Stunde gelaufen war. Es war irre! Genau das war es, was ich wollte! Auch wenn ich NICHTS konnte, DAS PFERD konnte!!! Ein Traum wie auf Wolken!  

Glücklicherweise hatte Ulli noch Kapazitäten. Henry, ein 16 jähriger WB-Wallach mit etwas „exotischem“ Exterieur, und ich sind nun etwa ein ¾ Jahr bei ihr im Unterricht.

Überall lernt man, dass es kleine Schritte sein müssen, um einem Pferd etwas beizubringen. Sei es wegen der teils noch fehlenden Kraft des Pferdes oder eben wegen der Psyche des Pferdes (oder der Unkenntnis des Reiters). Aber das die Schritte SO klein sein mussten… Habe ich erst durch Ulli gelernt! Sie schult nicht nur das Pferd, in erster Linie schult sie mich, damit ich endlich das Pferd besser verstehe und erkenne, wann das Pferd denn nun tatsächlich auch schon etwas richtig macht. So kleine Schritte…Und so große Lernerfolge!!!

Der Wallach hat im letzten halben Jahr endlich Muskulatur am Rücken und der Hinterhand aufgebaut. Und: er stolpert nun im Gelände nicht mehr so viel, was er an manchen Tagen fast nur tat. Auch reiterlich haben die Übungen schon sehr viel gebracht, Henry ist rittiger, bequemer  und viel freudiger beim Reiten dabei als vorher.

Und ich verstehe die Pferde wieder ein Stück besser…..

Heike