fühlen ● verstehen

Nicole mit Artus

Seit meinem elften Lebensjahr bestimmt die Liebe zu den Pferden mein Leben. Auf einem Ponyhof durfte ich viele Ponys und später auch Pferde „reiten“ oder besser gesagt „drauf sitzen“ und schauen wie man am besten oben bleibt.

Die Suche nach Ausbildung führte mich auf ein kleines Arabergestüt, wo ich zum ersten Mal Unterricht bekam. Ich durfte in einer richtigen Halle reiten und nach einigen Stunden, auch auf Hengsten, bekam ich sogar einen Ausbildungsplatz zum Pferdewirt angeboten. Ich war jedoch gar nicht glücklich dort. Warum das so war, wusste ich gar nicht so genau .So kehrte ich zurück in einen Privatstall und zog, wieder viel glücklicher, durchs Gelände.

/p>Nur aus dem Traum „Reiten zu lernen“ wurde wieder nichts. Ich wusste ja nicht mal, wonach ich genau suchte!

Ich machte erstmal Kinderpause und als bei meiner mittleren Tochter eine leichte Form von Autismus festgestellt wurde, machte ich mich auf die Suche nach einem Pferd für uns beide und nach respektvollem Unterricht.

In der Islandpferdeszene fand ich: unser Islandpferd „Krumma vom Tiefenbachtal“ und den Namen „Bent Branderup“. Es waren Trainer vor Ort, die selbst bei Bent Unterricht nahmen und ich erlebte zum ersten Mal einen Unterricht der Pferd und Reiter Spaß macht! Etwas, das ich vorher nie erlebt hatte! Der erste Schritt war getan, wir packten das Pferd ein und ich beschloss zuhause nach jemandem zu suchen, der uns die Lehre von Bent Banderup nahe bringen konnte.

Diese Suche führte uns zu Ulli. Leider kam Krumma nicht mehr wirklich in den Genuss von Ullis Unterricht da sie verstarb. Ulli kannte da aber ein Pferd, das ein neues Zuhause suchte. Ich fuhr hin, verliebte mich auf der Stelle und Artus durfte mit.

So, jetzt hatte ich ein Knabstrupperwallach und die Chance meinen Traum zu erfüllen und Reiten zu lernen. Nur ist Artus eben Artus und er sah gar keinen Sinn darin zu arbeiten. In seiner Vergangenheit wurde er zu oft missverstanden, ihm fehlten Vertrauen und Selbstbewusstsein und er hatte Angst in der Reithalle, verspannte sich völlig und ließ sich auch nicht annähernd auf meinen Traum vom schönen, leichten Reiten ein.

Durch Ullis Geduld mit mir (!), ihrem liebevollen und trotzdem ganz klaren Weg, ihre Art immer und immer wieder geduldig, ohne jeglichen Druck und trotzdem bestimmt, mir Artus zu „erklären“, mich zu lehren Artus zu lesen, lernten wir beide zu vertrauen.

Artus und ich wussten, wenn Ulli kommt wird alles besser!

Aus einem Pferd, das am Anfang schneller aus der Halle draußen war, als man schauen konnte, wurde ein Pferd, das Spaß an der Arbeit hatte. Wir beide lernten, Sicherheit in unserer Arbeit zu bekommen.

Egal wie oft Artus uns seinen „ich bin dagegen“-Blick zeigte oder wie oft ich am verzweifeln war (es gab viele schlaflose Nächte, in denen ich dachte, das alles nie zu lernen.) Ulli hat uns immer geholfen, durch diszipliniertes, geduldiges Arbeiten aus schlechten Phasen herauszukommen. Immer findet sie einen Weg uns wieder Mut zu machen, weiter zu lernen, das Pferd zu motivieren und in seinem eigenen Tempo zu fördern.

Ich bin angekommen und meine Suche ist beendet. Dankbarkeit und Demut empfinde ich, wenn Artus sich stolz und selbstbewusst präsentiert. So eigen wie er ist, so beeindruckend kann er sein. Ich weiß, dass ich viel zu wenig weiß. Je mehr mich Ulli lehrt, desto mehr will ich noch lernen. Ich freue mich auf jede Unterrichtsstunde die noch kommt und ich meinen Traum weiter erleben darf!

Nicole im April 2011